Geschichte des alkoholfreien Biers

10. April 2022

von Michael Busemann

Das Image von alkoholfreiem Bier hat sich in der letzten Zeit stark verändert. Das liegt auch daran, dass die Qualität durch neue brautechnische Verfahren enorm verbessert wurde. Inzwischen wird Bier ohne Alkohol anders wahrgenommen.

Früher war es ein Autofahrergetränk, das man nur ungern als Alternative trank. Mit der Vermarktung als Sportlergetränk wurde diese Kategorie zum ersten Mal vom Verbraucher positiv wahrgenommen. Viele Menschen verzichten zudem bewusst auf Alkohol und sind froh, nun auch auf isotonische Getränke wie alkoholfreies Bier zurückgreifen zu können. Es gibt keine künstlichen Aromen oder Zusätze. Das Bier enthält zudem wichtige Elektrolyte wie Natrium, Kalium, Magnesium oder Chlorid.

Das erste alkoholfreie Bier in Deutschland wurde von Braumeister Ulrich Wappler aus der VEB Engelhardt-Brauerei in Stralau (Friedrichshain) entwickelt. Es nannte sich AUBI (Autofahrer Bier), wurde 1972 vorgestellt und hatte einen Alkoholgehalt von 0,3 Vol.-% Alk. Aubi wurde auch in die USA und Großbritannien unter den Namen Foxy light bzw. Berolina vermarktet. Seit 1998 ist Aubi eine geschützte Marke der thüringischen Privatbrauerei Metzler. Nach der Reife wird der Alkohol entzogen. Der Alkoholgehalt beträgt weniger als 0,5 Vol.-% Alk.

In der Schweiz brachte Feldschlösschen in den 1930er-Jahren das alkoholfreie Ex-Bier mit wenig nachhaltigem Erfolg auf den Markt. Seit 1962 arbeiteten Hans Hürlimann, Inhaber der gleichnamigen Brauerei, und sein Forschungsdirektor Steiner, der mit Hefen experimentierte, an einem eigenen Verfahren. Drei Jahre später brachten sie ein Bier unter dem Namen Oro heraus. Mittels einer speziellen Hefe lag der Alkoholgehalt unter 0,5 Vol.-% Alk. Später wurde es als Birell vermarktet, da die Wirtschaftlichkeit ausblieb.

1979 war es die Frankfurter Binding-Brauerei, die in der Bundesrepublik mit alkoholfreie Clausthaler den Markt der alkoholfreien Biere in Gang brachte. Es gab zwar regionale alkoholfreie Biere (z.B. Gerstel von Henninger). Aber erst die nationale Einführung von Clausthaler sorgte für ein bundesweites Echo und viele Diskussionen über „echtes" Bier. Braumeister war Peter Winter, der mit gestoppter Gärung gearbeitet. Heute gehört die Marke Clausthaler zum Radeberger Konzern.

Autor

Michael Busemann
Präsidiumsmitglied Verband der Diplom Biersommeliers
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