Deutsche Auswanderer und ihr Bier

08. November 2022

von Matthias Kopp

Besuch der Sonderausstellung BIER: Exportschlager im Auswanderermuseum BallinStadt Hamburg

Vom 08.-17.09.2022 fand in Hamburg ein, wie ich finde, ziemlich einzigartiges Event in der deutschen Bierlandschaft statt: die Hamburg Beer Week, kurz HHBW. Das ist ein dezentrales und doch gemeinschaftliches Event, dass nahezu in ganz Hamburg verteilt war. Kurz ein paar Zahlen:

  • 25 Brauereien
  • über 100 Biere vom Fass
  • über 40 Locations
  • weit über 200 Events

Zu allem Überfluss gibt es dazu auch noch ein eigenes, gemeinschaftlich gebrautes Bier: das Hamburg Lager. Es ist ein malzbetontes, im Stile eines Wiener Lagers gebrautes Bier, mit einer wirklich toll eingebauten Rauchnote aus dem Malz. Selbst die ausgesuchte Hefe ist abgestimmt auf den Malzkörper des Bieres.

Neben den tollen Events in ganz Hamburg, ist aber hervorzuheben, dass das Event eine konzertierte und branchenübergreifende Kooperation vieler verschiedener Partner war, dass am 17.09. in einer Abschlussveranstaltung auf dem Gelände des Auswanderermuseums BallinStadt, der #HHBW Celebration kumulierte. Für mehr Infos rund um die Hamburg Beer Week, schaut euch gerne mal die Website an: beerweek.hamburg

Die Abschlussveranstaltung war aber auch der Startschuss einer Sonderausstellung zum Thema „Bier: Exportschlager" in ebendiesem Auswanderermuseum, die noch bis zum 30.12.2022 geht.

In drei Hallen der alten BallinStadt wird einem interaktiv und durch viele Installationen die Geschichte der deutschen Auswanderer aus Hamburg sehr kurzweilig nahegebracht und endet im Haus 3 mit der „bierigen" Sonderausstellung.

Diese Ausstellung zeigt, wie sehr die Auswanderer im 19. Jahrhundert die Bierwelt bis heute nachhaltig beeinflusst haben und viele bekannte Marken deutschen Ursprungs sind. Dazu aber später mehr. Erst einmal etwas zum Museum an sich. Die Häuser des Museums sind tatsächlich noch Originalhäuser der BallinStadt aus der die Migration, die Auswanderung, von Hamburg in die Welt stattfand.

Zwischen 1850 und 1935 haben weit über fünf Millionen Menschen Deutschland über Hamburg verlassen und das musste ja organisiert werden. So kann man in der Ausstellung nicht nur nachgebaute Schiffskabinen und die sog. Zwischendecks, die für Migrationsfahrten extra in Frachtschiffen eingebaut wurden, sehen. Durch alte Telefone kann man auch nachgesprochene Einzelschicksale hören. Selbst eine kleine Ratte erzählt für die Kleinsten unter uns von ihren Erfahrungen einer solchen Überfahrt. Und das war oftmals wahrlich kein Zuckerschlecken.

Im Haus 3 endet der Rundgang mit dieser Sonderausstellung zum Thema Bier. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Deutschland von sogenannten anti-aristokratischen Revolten erschüttert und viele Menschen wussten keinen anderen Ausweg mehr, als auszuwandern. Not, Hunger und Perspektivlosigkeit waren allgegenwärtig und so wollten die meisten in den USA (Stichwort: Ellis Island/Wikipedia) ihr Glück suchen.

Für einige war Bier interessanterweise ein hart erkämpftes Symbol ihrer bürgerlichen Freiheit und so nahmen diese ihre Liebe zum Bier - sehr häufig ein LAGER Bier - mit.

Ein Nachfahre deutscher Auswanderer, Clair Blong aus Iowa, sagt zum Beispiel: „Ende September feiern wir Oktoberfest hier in St. Lucas, es ist immer ein großer Erfolg." Zu Beginn der Ausstellung gibt es eine lange Theke aus Bierkästen, Bierdeckeln und einer Wand mit unzähligen Übersetzungen des Wortes Prost! Dazu eine Originalausgabe eines Kompendiums des wohl ersten „Bier Influencers" der Welt, Dr. Heinrich Knaust von 1575.

Im Hauptraum wird einem gleich gezeigt, wie viele selbstverständliche Erfindungen zum Thema Bier deutschen Ursprungs sind. Sei es der Bügelverschluss (deutsches Patent um 1870), der Bierdeckel (deutsches Patent von 1892 angemeldet als „saugfähiger Holzfilz-Bieruntersetzer") oder die Bierdose: alles deutsche Ideen. Die Bierdose wurde erstmals 1935 von der Gottfried Krueger Brewing Company hergestellt und der Gründer war ein deutscher Auswanderer. Und so werden immer mehr Marken, Ideen und auch Bierstile erklärt.

Auch wird auf den Namensstreit zwischen Budweiser Budvar aus Tschechien und Budweiser aus den USA eingegangen. Warum? Na, weil Budweiser ein Bier von Anheuser Busch ist und von den beiden deutschen Migranten Eberhard Anheuser und Adolphus Busch 1876 gegründet wurde. Heute ist das Nachfolgeunternehmen unter dem Namen AB InBev der größte Brauereikonzern der Welt!

Diese Biermarken sind auch noch auf deutsche Gründer zurückzuführen:

  • Coors, 1873, USA, gegründet von Adolph Coors und Jacob Schueler
  • Miller, 1855, USA, gegründet von Frederick Miller
  • Schlitz, 1849, USA, gegründet von Joseph Schlitz
  • Quilmes, 1890, Argentinien, gegründet von Otto Bemberg
  • Estrella Damm,1876, Spanien, gegründet von August Küntzmann Damm

Dann gibt es noch eine kleine Videoleinwand, auf der Hamburger Bierprominenz ein paar Worte zum Thema Bier erzählen. Tja, was soll ich sagen? Habe ich mich auch da tatsächlich gesehen...

Es ist eine sehr kurzweilige und sehr interessante Sonderausstellung zum Thema Bier, die wunderbar eingebettet ist in das Auswanderermuseum und im direkten Kontext zum Thema Migration und Immigration bis in die heutige Zeit steht.

Es gibt noch viel mehr zu sehen, am besten ist es aber, wenn ihr es euch selber anschaut. Bis Ende Dezember habt ihr noch Zeit und Hamburg ist eh immer eine Reise wert, vielleicht sehen wir uns da auf ein Bier: ballinstadt.de

AUTOR 
Matthias Kopp
Bier-Kosmopolit und Diplom Biersommelier

 

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