Hessen: Sektionstreffen in Miltenberg

06. Dezember 2022

von Michael Busemann

Bereits zum zweiten Mal traf sich im Dezember die Sektion Hessen in Miltenberg am Main. 2021 stand ein bieriges, spritiges Wochenende auf dem Programm mit Besuchen des ältesten Gasthauses Deutschlands Zum Riesen, des nahegelegene Franziskanerklosters Engelberg bei Großheubach, Brauerei-Besichtigung im Brauhaus Faust und anschließender Destillerie-Tour bei St. Kilian, der größten Whisky-Destillerie Deutschlands.

In diesem Jahr sollte das gemeinsame Brauen in der Brauerei Faust im Mittelpunkt stehen. Angeboten werden dort regelmäßig Erlebnisführungen und Braukurse. Im Weinland Miltenberg-Churfranken ist die Brauerei Faust sehr begehrt. Alle Angebote werden auch in der Woche frequentiert. Gleich drei Brauerei-Guides führen durch das Haus, das vom 30 Meter tiefen Felsenkeller bis in den 20 Meter hohen Brauereiturm reicht. Ganz oben befindet sich auch die Kreativbrauerei mit einem fantastischen Blick über den Main in Richtung Spessart.

Das Familienunternehmen Faust entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zur Erlebnisbrauerei. Bis zu 16.000 Besucher kommen jährlich für Besichtigungen und Braukursen in das Schwarzviertel. Das älteste Viertel Miltenbergs ist so benannt, da von Oktober bis April dort keine Sonne einstrahlt. Entsprechend heißt das Dunkel Schwarzviertler.

Kilian Francois Mathieu Servantaine gründete 1654 die Löwenbrauerei in Miltenberg. Er kam nach dem Dreißigjährigen Krieg in die menschlich dezimierte Region, um als Einwanderer die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

1825 übernahm Georg Anton Krug die Löwenbrauerei. Sein Sohn August war einer der Anführer der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung und musste nach dem Scheitern der Revolution 1849 nach Amerika fliehen. Er eröffnete in Milwaukee einen Saloon und eine kleine Brauerei. Nach dem Tod Georg Anton Krug übernahm Joseph Schlitz, sein Buchhalter, im Jahr 1856 das Geschäft und heiratete schließlich Krugs Witwe Anna Maria.

Die Joseph Schlitz Brewing entwickelte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur größten Brauerei der Welt. 1895 wurde der Küfer und Braumeister Johann Adalbert Faust Alleininhaber der Brauerei. Ihren heutigen Namen trägt das Brauhaus allerdings erst seit 1993. Seit den 1960er-Jahren wurde zwar das Bier unter dem Namen Faust angeboten. Die Umfirmierung von der Löwenbrauerei zum Brauhaus Faust erfolgte allerdings erst 30 Jahre später. 1996 übernahm dann Cornelius Faust und sein Vetter Johannes Faust in der vierten Generation den Betrieb.

Braumeister Hansi Repp, Jörg Schäfer und Andreas Heider bei der Arbeit

 

Der Absatz lag 2020 bei rund 63.000 Hektoliter. Neben regionalen Spezialitäten ist Faust bekannt für Craft Beer. Der im Holzfass gereifte Eisbock erhielt zweimal hintereinander Gold beim World Beer Cup sowie höchste Auszeichnungen beim Meiningers International Craft Beer Award sowie den European Beer Star. Neben weiteren Auszeichnungen für ihre Spezialitäten wurde Faust dreimal der Titel Craftbier-Brauerei des Jahres und Brauerei des Jahres durch Meininger verliehen.

Kreativbrauerei in 20 Meter Höhe

Neben Cornelius Faust begleitete uns Brauereiführerin Dorothea Lazar und Braumeister Hansi Repp durch den Brautag. Los ging es mit der Frage, welches Bier gebraut wird. Schnell einigte sich die 11-köpfige Truppe auf ein Bernstein-Export. Das dazugehörige Rezept wurde von Faust beigesteuert. Die Ausschlagmenge sollte 100 Liter sein.

  • Eingemischt wurde mit 20 Kilo Malz: Wiener (77 %), Cara hell (17 %) und Melanoidin (6 %).
  • Hopfen: Herkules (20 g), Perle (50 g) und Ariana (100 g). Es wurde im Infusionsverfahren mit drei Rasten gebraut.

Happy Hedi

Dem Bier musste noch einen Namen gegeben werden. Auch da gab es schnell Einigkeit. Es heißt nun Happy Hedi, ein kleines Dankeschön für die Organisation durch die Sektionsleiterin Hedi Schmitt.

Niklas van der Au und Nina Wolleb beim Einmaischen

 

Die Aufgaben wurden in der Truppe per Los zugewiesen, wobei die Intensität der Arbeitsumsetzung stark variierte. Andrew war sicherlich derjenige, der von uns am meisten an der Brauanlage aktiv war. Ein Dankeschön an dieser Stelle geht an Braumeister Hansi, der uns stets den Rücken für andere Aktivitäten freigehalten hat.

Burkhard Kuhr und Andrew Olschewski

 

Die Brauereiführung ging durch das Sudhaus und Gärkeller in die Schatzkapelle. So wird der historische, 30 Meter unter Sandstein gelegene Felsenkeller genannt, in dem von Fackeln beleuchtet die im Fass gelagerten Biere reifen. Früher gab es in der Brauerei mehrere Eis- und Bierkeller. Oberhalb der Brauerei versorgte ein Weiher die Brauerei mit Eis, das durch ein Loch in der Kellerdecke einfiel.

Dorothea ließ uns dort unten die fantastische Brauerreserve 1237 verkosten. Der Name bezieht sich auf die erste urkundliche Erwähnung Miltenbergs. In früheren Zeiten bunkerten die Brauer immer eine Reserve im Keller, falls das Bier ausging.

Die Brauerreserve ist ein im Fass gelagerter Barley Wine mit einer rotbraunen Farbe und cremefarbenem Schaum. Sie hat fruchtige Aromen von Himbeere, Melone, Pflaume und Bourbon Whiskey. Im Mund ist die Brauerreserve angenehm moussierend und hat einen komplexen weichen Körper mit Pflaumen-, Sherry- und Erdbeernoten. Im Abgang folgt ein rundes Barrique-Aroma.

Sieben Stunden Brauen machen nicht nur durstig (wir konnten uns aus dem reichhaltig gefüllten Kühlschrank jederzeit bedienen), sondern auch hungrig. Neben dem Weißwurstfrühstück gab es zur Mittagszeit noch eine zünftige Vesper.

Abgerundet wurde der Tag mit einem Besuch des Weihnachtsmarktes, wo es den himmlischen Umzug gab. 120 als Engelchen verkleidete Kinder zogen vom Engelplatz zum Marktplatz. Der letzte Einkehrschwung ging dann in die Braustuben von Faust, der bis Mitternacht dauerte.

Teilnehmer des Sektionstreffen 2022 in Miltenberg:

  • Andreas Heider, Hasselroth
  • Andrew Olschewski, Wiesbaden
  • Burkhard Kuhr, Marburg
  • Cornelius Faust, Miltenberg
  • Hedi Schmitt (Sektionsleiterin), Seligenstadt
  • Jörg Schäfer, Gladenbach
  • Michael Busemann (Sektionsleiter Rheinland), Köln
  • Niklas van der Au, Hanau
  • Nina Wolleb, Frankfurt
  • Reimo Peters, Offenbach
  • Ruthard B. Wolf, Hanau

Autor

Michael Busemann
Präsidiumsmitglied Verband der Diplom Biersommeliers
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